Geld und Scheidung: Du bekommst, was du verhandelst

VERÖFFENTLICHT AM Mittwoch, 25 August 2021

Wenn die Liebe zerbricht und ein Ehepaar beschließt, sich scheiden zu lassen, bedeutet das vor allem oft auch: absolutes Gefühlschaos! Wenn ein Partner den anderen verlässt, vermischen sich Wut und Verzweiflung, Trauer und Verletzung, das Gefühl von Ausweglosigkeit, Unfairness und… irgendwann, irgendwie ganz langsam auch die leise Ahnung von… Neubeginn. Mitten drin gilt es, rund um das Thema Finanzen und Scheidung einen klaren Kopf zu bewahren. Klingt unmöglich? Ist es nicht. Aber… wir wollen ganz ehrlich sein: Einfach ist es leider nicht immer. 

Stellt euch folgendes Szenario vor: Der Ehemann arbeitet und verdient (mehr) Geld, die Ehefrau kümmert sich um Kindererziehung und den gemeinsamen Familienhaushalt. Wenn, arbeitet sie in Teilzeit, pausiert rund um die Geburt der Kinder und solange sie klein sind. So wunderbar! Denn jeder sollte haargenau so leben, wie es ihm gefällt. 

Nur… im Fall der Scheidung wird dieses Partnerschaftsmodell leider ziemlich oft zu einem großen Problem – meistens für Frauen. Denn: Eigentlich sollte das gemeinsame Vermögen bei einer Scheidung gerecht aufgeteilt werden. Will sagen: 50-50, halbe halbe. Eigentlich… In der Praxis gehen die Vorstellungen darüber, wie das, was da ist, verteilt werden soll, leider oft drastisch auseinander. Es kommt zu schmerzhaftem Kampf und Krampf und verletzendem „Rosenkrieg“. 

Für viele Frauen bedeutet das im Klartext: Sie müssen im Rahmen einer Trennung für ihre Interessen kämpfen. Und zwar lange. Und erbittert. In einer hoch emotionalen Ausnahmesituation ist das allerdings tausendmal leichter gesagt als getan. Folgende Tipps können helfen:

Suche dir Unterstützung! 

Privat, persönlich – aber auch: Professionell. Das allerwichtigste ist zuallererst ein guter Anwalt oder eine gute Anwältin. Es ist essentiell, dass du bei der Zusammenarbeit mit deinem Anwalt ein wirklich gutes Bauchgefühl hast. Informiere dich vorab, wer besonders erfahren ist auf dem Fachgebiet, wer sich mit Scheidungen auskennt, wer dir idealer Weise von jemandem, dem du vertraust, persönlich empfohlen wird. Führe Erstgespräche mit zwei, drei, oder vier verschiedenen Anwälten – und folge bei deiner Entscheidung deiner Intuition!

Ebenso wichtig: Therapeutische Begleitung. Suche dir einen Therapeuten, einen Coach, oder eine andere Form der Unterstützung um das Gefühlschaos, oftmals die tiefe Verletzung durch die Trennung zu verarbeiten. Stärke dich auf diese Weise psychisch und mental – bearbeite deine Emotionen dort, in diesem geschützten, professionellen Raum – und nicht in der finanziellen Auseinandersetzung mit deinem Partner. Denn: Wenn es um Finanzen, Geld, Vermögen geht, ist das allerwichtigste: 

Ruhe bewahren. Einen möglichst klaren, kühlen Kopf… Geld und Gefühl voneinander zu trennen. 

Wenn du dich während der Ehe jahrelang nicht mit dem Thema Geld und Finanzen beschäftigt hast, weißt du oft nicht genau, ob und wie viel Vermögen da ist und in welcher Form – Bargeld, Investitionen in Finanzprodukte, Immobilien, Kunstgegenstände, Lebensversicherung und Rentenansprüche – ein Wirrwarr aus Zahlen, Daten und Verträgen, sichten, sich einlesen, eine Vermögensaufstellung machen. Puh…! 

Darum: Suche dir wenn möglich unbedingt auch fachliche Unterstützung für dieses fundamentale Thema: Finanzen. Frage deine Anwältin oder deinen Anwalt, ob sie oder er dir jemanden empfehlen kann, der Erfahrung hat und dich dabei unterstützen kann, so früh wie möglich nach der Trennung eine Vermögensaufstellung zu machen. Anhand derer wird nämlich alles verteilt. Und der beste Jurist kann deine Interessen nur so gut vertreten, wie die Informationen sind, die du ihm an die Hand gibst!

Oft fällt es sehr schwer, finanzielle Forderungen zu stellen. Für sich selbst einzustehen – klar und deutlich. Und, wenn es sein muss: Laut und deutlich. Hier gibt es einen unmittelbaren Bezug zu deinem Money Mindset, also deiner Einstellung zum Thema Geld, Finanzen, Werten. Besonders in der Ausnahmesituation einer Scheidung ist Klarheit über deine Gefühle, deine Wünsche und deine Haltung zum Geld super wichtig: 

  • Was ist Geld für mich? 
  • Welchen Bezug habe ich zu Geld? 
  • Wie wurde ich in dieser Hinsicht erzogen? 
  • Was ist mir wichtig? 
  • Wie kann ich die Verantwortung für MEINE Situation übernehmen?

Und ganz wichtig: Versuche, dich nicht als Opfer der Umstände zu sehen, sondern die Situation als Chance zu betrachten, klare finanzielle Forderungen für deine Zukunft zuerst für dich zu definieren und dann: zu stellen. Im Idealfall wollen beide Ex-Partner eine konstruktive Lösung – gemeinsam erarbeiten. In der Praxis ist eine Scheidung aber konfrontativ, weil Verletzungen abgearbeitet werden. Laut Gesetz ist nach einer Scheidung jeder der beiden Partner für sich selbst verantwortlich. Darum ist es am allerbesten, sich vor Beginn einer Ehe offen und ehrlich auf eine für beide faire und stimmige Aufgabenverteilung zu einigen – und den Rahmen in einem Ehevertrag zu regeln. So kommt es erst gar nicht zum Rosenkrieg. Einen Ehevertrag kannst du übrigens nicht nur vor der Hochzeit sondern zu jedem beliebigen Zeitpunkt schließen. Vielleicht ist der genau jetzt für dich gekommen?

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